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GOTTFRIED KELLER
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Abendlied an die Natur

sowie Abendlied - zwei Gedichte von Gottfried Keller

Die innige Verbundenheit mit der Natur kommt in solchen Gedichten besonders gut zum Ausdruck. Hier erhalten Sie zwei schöne Naturgedichte aus der Epoche des Realismus. Geschrieben von dem bekannten schweizer Dichter und Maler Gottfried Keller.

Abendlied an die Natur

Hüll mich in deine grünen Decken
Und lulle mich mit Liedern ein!
Bei guter Zeit magst du mich wecken
Mit eines jungen Tages Schein!
Ich hab mich müd in dir ergangen,
Mein Aug ist matt von deiner Pracht;
Nun ist mein einziges Verlangen,
Im Traum zu ruhn durch deine Nacht.

Der Kindesaugen freudig Leuchten
Schon fingest du mit Blumen auf,
Und wollte junger Gram sie feuchten,
Du legtest weiche Lindrung drauf.
Ob wildes Hassen, masslos Lieben
Mich seither auch gefangen nahm,
Bin ich doch immer Kind geblieben,
Wenn ich zu dir ins Freie kam!

Geliebte, die mit ew'ger Treue
Und ew'ger Jugend mich erquickt,
Du einz'ge Lust, die ohne Reue
Und ohne Nachweh mich entzückt!
Sollt ich dir jemals untreu werden,
Dich kalt vergessen, ohne Dank:
Dann ist mein Fall wohl nah auf Erden,
Mein Herz verdorben oder krank!

O steh mir immerdar im Rücken,
Bin ich im Feld mit meiner Zeit!
Mit deinen hellen Mutterblicken
Ruh auf mir, auch im wärmsten Streit!
Und sollte mich mein Stündlein finden,
Schnell decke mich mit Rasen zu!
O selig Sterben und Verschwinden
In deines Urgrunds tiefste Ruh!

(Gottfried Keller, 1819-1890, schweizer Dichter, Maler)

Aus: Gedichte, Natur


Kurze Interpretation

Ein Reimgedicht mit regelmässig klingenden Versen. Es wurde 1846 von Keller geschrieben. Er schwärmt in der ersten Strophe des Gedichtes von den Eindrücken des Tages. Womöglich hat er einen Spaziergang durch die Natur gemacht und die Schönheiten aufgenommen (ich hab mich müd in dir ergangen...). Jetzt ist er erschöpft, will seine Ruhe und noch ein bisschen träumen. Vielleicht die Erlebnisse des Tages im Träumen verarbeiten. Ein schönes romantisches Plädoyer an die Natur in der er sich geborgen fühlt wie ein kleines Kind. Und er möchte so gar nicht, dass dieses Gefühl aufhört.

Die Natur, zu der er schon als Kind Zuflucht gefunden hat, in dieser er einen Tröster, eine Trösterin fand, möge ihn auch in der Gegenwart beschützen. Erinnerungen an das Naturerleben in jungen Jahren. Und wenn auch heute masslose Gefühle ihn aufwühlen, so fühlt er sich doch immer wieder wie ein Kind, sobald er zu ihr ins Freie kommt. Die Natur als mütterliche Hand, als Ort der Geborgenheit und Sicherheit, als Kraftquelle und Ausgleich, so lernte er sie schätzen, denn sie ist ihm immer treu geblieben ist.
Sollte es doch seinerseits geschehen, dass er diese Treue vergisst, ohne Dank ist, so sei er verdorben oder krank. Und auch auf der letzten Reise möge sie, die Natur ihm beistehen, so dass das Sterben in ein seliges Ruhe fliessen. Hier spricht sehr viel Zuversicht in diese letzte Phase.

(© Monika Minder, 12. Juli 2021)

Abendlied

Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh,
Legt sich auch in ihre finstre Truh.

Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.

Doch noch wandl ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluss der Welt!

(Gottfried Keller, 1819-1890, schweizer Dichter, Maler)

Aus: Gesammelte Gedichte, Buch der Natur


Kurze Interpretation

Sehr schön, wie Keller die Augen als Fensterlein skizziert und wie er sinniert, wie es ist, wenn die Lider sich schliessen und das irdische Leben, die Lebensreise (Wanderschuhe) beendet. Vergänglichkeit ist das Thema des Gedichtes „Abendlied“ von Gottfried Keller, 1879 geschrieben. In der ersten Strophe auch Dankbarkeit (gebt mir schon so lange holden Schein).
Noch einmal alles aufnehmen, denn einmal werden die Augen verdunkelt sein. So lange noch Zeit ist, diese Zeit nutzen und den Überfluss der Welt trinken. Also leben. Gedanken und momentane Stimmung werden laut. Einerseits schwingt Wehmut und Sehnsucht in seinen Worten, andererseits weiss er auch bewusst mit der Vergänglichkeit umzugehen, indem er sich dem Leben zuwendet. Denn noch ist es nicht so weit. Er wandelt noch auf dem Abendfeld, das wir im letzten Lebensabschnitt, dem Abschnitt des Alters einordnen können.

(© Monika Minder, 12. Juli 2021)






Gottfried Keller wurde 1819 in Zürich geboren.

Er begann 1834 eine Lehre als Lithograph. In dieser Zeit
entstanden auch erste Landschaftszeichnungen. Die ersten
Gedichte entstanden 1843. Es folgten 1845 die ersten
Publikationen "Lieder eines Autodidakten" und 1846 der Band
"Gedichte".

1855 erscheint der "Grüne Heinrich", ein Roman, der nebst
Goethes Wilhelm Meister und Adalbert Stifters Nachsommer
als einer der bedeutensten Bildungsromane der deutschen
Literatur des 19. Jahrhunderts gilt.

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Gottfried Keller: Gedichte in einem Band





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