Sommer Lyrik
Sommerlyrik - Sommer - Lyrik - lyrische Gedichte
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Lyrische Sommer Gedichte
Hochsommernacht
Es ist schon etwas so zu liegen,
Im Aug der Allmacht bunten Plan,
So durch den Weltraum hinzufliegen
Auf seiner Erde dunklem Kahn!
Die Grillen eifern mit den Quellen,
Die murmelnd durch die Matten ziehn;
Und droben wandeern die Gesellen
In unerhörten Harmonien.
Und neben sich ein Kind zu spüren,
Das sich an deine Schulter drängt,
Und ihr im Kuss das Haar zu rühren,
Das über hundert Sterne hängt ...
Es ist schon etwas, so zu reisen
Im Angesicht der Ewigkeit,
Auf seinem Wandler hinzukreisen,
So unaussprechlich Eins zu Zweit ...
- Christian Morgenstern 1871-1914, deutscher Dichter
und Schriftsteller
-
Sommerlyrik
Sommerfrische
Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
- Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller,
Kabarettist und Maler
-
Sommerlyrik
Sommer
Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht wie
unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.
Bald läutet durch die Ebenen Sichelsang: mein Blut
lauscht tief mit Glück gesättigt in den Mittagsbrand.
Kornkammern meines Lebens, lang verödet, alle eure
Tore sollen nun wie Schleusenflügel offen stehn,
Über euern Grund wird wie Meer die goldne Flut der
Garben gehn.
- Ernst Stadler 1883-1914, elsässischer Lyriker -
Sommerlyrik
Noch immer
Noch immer,
durch den brütenden Sommer,
singen die Lerchen.
Meine blinkende Sichel
zischt durchs Korn.
Im roten Kopftuch
hinter mir
müht sich mein Weib und sammelt die Aehren.
Mit nackten Beinchen
und kleinen, braunen Fäusten, die Blumen halten,
liegt, lacht und strampelt
unser Glück.
- Arno Holz 1863-1929, deutscher Dichter -
Sommerlyrik
Sommer
Am Abend schweigt die Klage
Des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
Der rote Mohn.
Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.
Nimmer regt sich das Laub
Der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
Rauscht dein Kleid.
Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand
Löschte sie aus;
Windstille, sternlose Nacht.
- Georg Trakl 1887-1914, österreichischer Dichter -
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