Sommernacht
Sommergedicht - Gottfried Keller - Gedicht
Hier erhalten Sie ein schönes Sommergedicht
Sommergedicht
Sommernacht
Es wallt das Korn weit in die Runde,
Und wie ein Meer dehnt es sich aus;
Doch liegt auf seinem stillen Grunde
Nicht Seegewürm noch andrer Graus:
Da träumen Blumen nur von Kränzen
Und trinken der Gestirne Schein.
O goldnes Meer, dein friedlich Glänzen
Saugt meine Seele gierig ein!
In meiner Heimat grünen Talen,
Da herrscht ein alter schöner Brauch;
Wann hell die Sommersterne strahlen,
Der Glühwurm schimmert durch den Strauch:
Dann geht ein Flüstern und ein Winken,
Das sich dem Ährenfelde naht,
Da geht ein nächtlich Silberblinken
Von Sicheln durch die goldne Saat.
Das sind die Bursche, jung und wacker,
Die sammeln sich im Feld zuhauf
Und suchen den gereiften Acker
Der Witwe oder Waise auf,
Die keines Vaters, keiner Brüder
Und keines Knechtes Hilfe weiß –
Ihr schneiden sie den Segen nieder,
Die reinste Lust ziert ihren Fleiß.
Schon sind die Garben fest gebunden
Und schön in einen Kranz gebracht;
Wie lieblich flohn die stillen Stunden,
Es war ein Spiel in kühler Nacht!
Nun wird geschwärmt und hell gesungen
Im Garbenkreis, bis Morgenduft
Die nimmermüden, braunen Jungen
Zur eignen schweren Arbeit ruft.
- Gottfried Keller 1819-1890, schweizer Dichter;
aus Buch der Natur
-
Gottfried Keller wurde 1819 in Zürich geboren.
Er begann 1834 eine Lehre als Lithograph. In dieser Zeit
entstanden auch erste Landschaftszeichnungen. Die ersten
Gedichte entstanden 1843. 1845 erscheinen dann die ersten
Publikationen "Lieder eines Autodidakten" und 1846 der Band
"Gedichte".
1855 erscheint der "Grüne Heinrich", ein Roman, der nebst
Goethes Wilhelm Meister und Adalbert Stifters Nachsommer
als einer der bedeutensten Bildungsromane der deutschen
Literatur des 19. Jahrhunderts gilt.
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